Samstag, 26. November 2016

Cast Padlock

"Ah, ein neues Trickschloss, und dieses Mal von Hanayama" dachte ich, als ich in einem Online Shop Cast Padlock entdeckte. Es stellte sich dann aber schnell heraus, dass es sich um ein simples Metallpuzzle handelte und keinesfalls um ein komplexes Trickschloss.


Das kleine, von außen recht kompakt wirkende Objekt besteht aus vier Komponenten, die leicht gegeneinander verschiebbar sind. Man kann sie ein Stück weit auseinanderziehen und horizontal verdrehen. Einen inneren Mechanismus gibt es offensichtlich nicht. Cast Padlock hat also nur die Form - nicht aber die Funktion - eines Vorhängeschlosses. Eigentlich schade. 

Wie gewöhnlich legte ich ohne groß nachzudenken los. Durch vorsichtige Bewegungen versuchte ich, die Funktionsweise zu ergründen. Wie erwartet kam ich anfangs nicht sonderlich voran. Das Puzzle hat immerhin den Schwierigkeitsgrad fünf (schwer). Nach mehreren Anläufen war es dann aber doch geschafft. Letztendlich genügte eine einfache Handbewegung, die vier Teile auseinanderzubringen. Das anschließende Zusammensetzen erforderte etwas Fingerfertigkeit, da das recht wackelige Gebilde immer wieder auseinanderfiel. 


Sonderlich angetan bin ich von Cast Padlock nicht. Die schöne Optik täuscht etwas. Konstruktionsbedingt ist es deutlich weniger massiv als anfänglich angenommen. Die zugrunde liegende Idee ist auch nicht gerade neu. Allerdings stellt der recht hohe Schwierigkeitsgrad eine gute Herausforderung dar.  Bemerkenswerterweise wird es bei Amazon sehr positiv bewerten: 12 mal 5 und einmal 4 Sterne.
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Freitag, 21. Oktober 2016

Super G

Im Grunde genommen sind Geduldspiele nichts für mich. Zum einen habe ich gar keine Geduld, zum anderen neige ich zur Gewalt. Normalerweise kein großes Problem, aber manchmal treibt mich ein Objekt an den Rand des Wahnsinns. Wie zum Beispiel Super G von Jean-Claude Constantin.


Super G war ein Spontankauf. Ich hatte es bei Mallorca Puzzles entdeckt und konnte nicht widerstehen, obwohl es kein reines Metallpuzzle ist. Es besteht aus drei Komponenten: Dem aus einem stabilen Draht gefertigten Hauptteil, einem kleinen Ring und einer mit einer Holzkugel verbundenen Nylonschnur. Ziel ist, den Ring abzutrennen. Das sollte nicht allzu schwer sein, er konnte ja nur in wenige Richtungen bewegt werden. Also legte ich voller Optimismus los.  Doch schon nach wenigen Augenblicken hatte ich mich hoffnungslos verheddert. Die recht dicke Schnur hatte sich in einem wilden Knäuel um die Metallteile gewickelt. Jetzt wurde es kompliziert. Wie bekam ich das wieder auseinander? Fast jede Bewegung verkomplizierte die Situation. Schließlich fiel mir eine geeignete Strategie ein: Ich musste mir vor jedem Zug die aktuelle Konstellation merken. Verschlimmerte eine Aktion das Durcheinander, dann sofort zurück und etwas anderes ausprobieren.

Nach ein paar Tagen kam ich nach sorgfältiger Analyse zu dem Schluss, dass das Puzzle unlösbar ist. Ich sah keine theoretische Möglichkeit, den Ring zu befreien. Das ganze Gebilde stellte praktisch einen geschlossenen Kreis dar, aus dem es kein Entkommen gab. Kaum hatte ich das erkannt, da fiel mir auch schon der Ring vor die Füße. Ich war völlig überrascht, fast schockiert. Da ich mich noch grob an meine letzten Aktionen erinnern konnte, war ich in der Lage, nach kurzer Zeit den Ring erneut zu befreien. Es sind unglaublicherweise nur drei einfache Züge erforderlich.  


Das Puzzle ist genial - so simpel und doch so schwer. Die Teile sind harmonisch aufeinander abgestimmt und liegen gut in der Hand. Alles  macht einen soliden Eindruck. Die stabile Nylonschnur hat all meine Gewaltattacken unbeschadet überstanden. Fabriziert wird Super G von Jean-Claude Constantin. Es gibt einen ca. 40 Jahre älteren Vorläufer, der von James Dalgety stammt. James Dalgety besitzt weltweit die größte Sammlung von Geduldspielen. Möglicherweise hat er sich von einem Puzzleklassiker inspirieren lassen.

Montag, 10. Oktober 2016

Lunatic Lock

Eines der bekanntesten Trickschlösser ist Lunatic Lock, das fast jeder Online Shop im Angebot hat. Ist für den Verkaufserfolg eines Geduldspiels vielleicht der Name mitverantwortlich?  Ein auffälliger, einprägsamer Name dürfte jedenfalls nicht von Nachteil sein.


Das kleine Metallobjekt machte zunächst keinen sonderlichen Eindruck auf mich. Abgesehen von dem unterhalb des Bügels angebrachten Stiftes wirkte es wie ein normales Vorhängeschloss. Allerdings fehlte das Schlüsselloch und folglich gab es auch keinen Schlüssel. Das einzig bewegliche Teil war jener kleine Stift. Ich konnte ihn ein Stück weit herausziehen und auch drehen.  In manchen Situationen wurden die Bewegungen durch einen internen Mechanismus blockiert.

Aufgrund der nur geringen Anzahl von Bewegungsmöglichkeiten dauerte es nicht lange, bis ich den entscheidenden Trick gefunden hatte und sowohl Bügel als auch Stift abtrennen konnte. Das war wirklich nicht schwer gewesen. Das Zusammensetzen war dann ebenfalls schnell geschafft. Insgesamt habe ich vielleicht zehn Minuten benötigt.


Ich betrachtete mir das geöffnete Schloss genauer. Tief im Inneren war zwischen den Bohrlöchern für Bügel und Stift ein horizontales Querloch gebohrt. Wie wurde das technisch realisiert? Von außen wohl nicht. Ich entdeckte jedenfalls keine Spuren, die auf eine seitliche Bohrung hindeuteten. Und noch ein Rätsel: Ich konnte mir keine einfache Möglichkeit vorstellen, wie der interne Mechanismus eingebracht wurde. Die vorhandenen Löcher erschienen mir dafür viel zu klein. 

Lunatic Lock ist in zwei unterschiedlichen Varianten erhältlich: In der originalen Messingausführung und als Massenprodukt aus Aluminium. Erdacht hat es einer der profiliertesten Geduldspielentwickler, Gary Foshee. Vielleicht ist das ja der Grund für die Popularität des ansonsten recht unspektakulären Trickschlosses und nicht - wie von mir vermutet - der auffällige Name. Ganz oben auf meiner Wunschliste steht übrigens das Transparent Lock (oder auch: Open Lock) vom selben Entwickler. Falls jemand eines zu verkaufen hat oder eine Bezugsquelle kennt, bitte melden.

Samstag, 10. September 2016

Axis

Eine von mir bisher vernachlässigte Unterkategorie von Geduldspielen umfasst die sogenannten Käfig-Puzzles. Dabei handelt es sich um aus Holz oder Metall gefertigte zylinderförmige Behälter, die ein kleines Objekt umschließen.

Käfigpuzzles erschienen mir bisher als zu dünnwandig und blechern. Es sind aber mittlerweile auch massive Objekte erhältlich, wie zum Beispiel Axis von Rademic Puzzles.  Schon beim Auspacken war ich von der schweren Qualität angetan. Ein dickwandiger Zylinder mit fünf ovalen Öffnungen war an seinen beiden Stirnseiten durch Kugellager abgeschlossen. Interessanterweise konnte man die kippen. Das eröffnete zusätzliche Möglichkeiten. Im Innenraum befand sich eine kleine Metallkugel - Igel genannt -, aus der kurze Stäbchen ragten.

Ich brauchte nur wenige Sekunden um herauszufinden, dass der Igel weder durch die Öffnungen im Zylinder noch durch die Kugellager passte. Es musste also einen Trick geben, und den fand ich fast auf Anhieb. Anschließend war noch etwas Fummelarbeit erforderlich und schon war das Puzzle gelöst. Zuerst war ich enttäuscht. Das war etwas zu einfach gewesen. Man konnte hier eigentlich noch nicht einmal von einem Trick sprechen. Egal, Axis hat mir trotzdem gefallen. Vor allem wegen seiner Originalität und Fertigungsqualität. Das war kein Blech- sondern ein wirkliches Metallpuzzle. Da ist auch ein Preis von 35 Euro angemessen. Erhältlich ist es beim Puzzle Shop.


Meines Wissens nach erschienen Käfigpuzzles erstmals in den 1960er Jahren in der damaligen Tschechoslowakei. Und dort befindet sich auch der Hersteller Rademic Puzzles, der weitere Metall- und Holzvarianten anbietet, darunter einige vielversprechende Objekte.



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Sonntag, 28. August 2016

Prezel

Entwickler von Geduldspielen sind oft etwas öffentlichkeitsscheu. Wie zum Beispiel Jean Claude Constantin, von dem im Internet nur herauszufinden ist, dass es sich um einen in Deutschland lebenden Franzosen handelt. Von dem stammt das Metallpuzzle Prezel (auch: Brezel) und zahlreiche weitere im In- und Ausland vertriebene Objekte.


Bei meinem letzten Besuch in Palma fragte ich kurz entschlossen Sven Baeck von Mallorca Puzzles. Der sollte es wissen, schließlich hatte ich Prezel bei ihm vor ein paar Jahren gekauft. "Jean Claude Constantin???" Sven blickte mich verblüfft an und lachte. "Natürlich kenne ich den. Das ist mein Schwager". Tatsächlich vertreibt Mallorca Puzzles vor allem Geduldspiele, die Jean Claude gemeinsam mit Svens Schwester entwickelt und fertigt. Objekte anderer Hersteller werden nur ergänzend angeboten. Also wer mehr von dem in der internationalen Puzzleszene hochangesehenen Entwickler erfahren möchte, sollte sich vertrauensvoll an Mallorca Puzzles wenden.

Zu Prezel, einem schweren, massiven Metallobjekt, ist nicht all zu viel zu sagen. Auffälligstes Merkmal ist die Größe, die deutlich über der anderer Metallpuzzles liegt. Aufgabe ist, das kleinere Teil abzutrennen. Das ist nicht all zu schwierig. Wie üblich benötigte ich eine gewisse Zeit, die korrekte Zugfolge zu ermitteln. Allerdings war einige Male ein kleiner Kraftaufwand erforderlich. Das anschließende Zusammenfügen erwies sich als schwieriger, da es mehrere Einstiegsmöglichkeiten gibt, von denen nur eine zum Ziel führt.


Was mir neben der Übergröße nicht sonderlich gefällt, ist, dass Prezel aus zwei Komponenten zusammengeschweißt ist. Verschweißen, verschrauben oder kleben sollte meiner Meinung nach bei Metallpuzzles der einfachen Kategorie vermieden werden. Zugegebenerweise kann ich das nicht wirklich begründen. Es stört mich einfach.

Freitag, 5. August 2016

Cast Mobius

Von meiner Faszination für Labyrinthe hatte ich ja bereits vor einigen Jahren berichtet. Endlich gibt es auf diesem Gebiet etwas Neues: Cast Mobius vom holländischen Geduldspielentwickler Oskar van Deventer. Genau wie beim Vorläufer Cast Laby handelt es dabei sich um ein beidseitig mit einfachen Labyrinthen versehenes Metallpuzzle aus der Hanayama Serie. Allerdings ist bei dieser Neuentwicklung der flache Ring zu einem sogenannten Möbiusband verdrillt.


Das Puzzle war von solider Qualität und zugleich leichtgängig. Wie erwartet erwies sich das Lösen - das Entfernen der kleinen geschlitzten Scheibe - als einfach. Ein paar Minuten gedankenverlorenen Herumspielens reichten völlig aus. Auch der Rückweg, also das Wiederzusammenfügen, war ähnlich unproblematisch. Als sehr viel schwieriger stellte sich dagegen das systematische Ermitteln und Einprägen des Lösungsweges heraus.


Mathematiker bezeichnen das Möbiusband als "nichtorientierbare Fläche". Laien dagegen bevorzugen die etwas rätselhafte Definition: "Fläche mit nur einer Seite und nur einem Rand".

Ein Pfeil (oder wie hier eine Scheibe mit einem Schlitz), der entlang eines Möbiusbandes bewegt wird, ändert nach einer vollständigen Umdrehung seine Orientierung. Zeigt er beispielsweise zunächst nach außen, so weist er anschließend nach innen. Und genau dieses Verhalten erschwert bei  Cast Mobius ein
der Schlitz weist anfangs nach links
nach einer vollen Umdrehung nach rechts
systematisches Vorgehen. Mal vertauschen sich links und rechts, dann oben und unten oder vorne und hinten. Und schon hat man die Orientierung verloren.  Mit meinem bekannt schwachen Kurzzeitgedächnis brauchte ich jedenfalls ausgesprochen lange, bis ich die Sache im Griff hatte. Hier hat sich also erfreulicherweise eine deutliche Verkomplizierung gegenüber dem klassischen Cast Laby ergeben. Man sollte sich deshalb nicht mit dem simplen Auftrennen begnügen, sondern sich etwas eingehender mit dem Weg entlang der verdrillten Fläche befassen.

Der aus Leipzig stammende August Ferdinand Möbius war übrigens ein bekannter Mathematiker des 19. Jahrhunderts. Er lieferte wichtige Beiträge zur Zahlentheorie (z.B. die Möbius-Funktion) und zur Topologie, der auch das Möbiusband zuzurechnen ist. Ein nahezu identisches Puzzle ist bereits seit einigen Jahren als 3D-Druck-Objekt bei Shapeways erhältlich, allerdings zu einem Preis von weit über 100 Euro. Eine erste (Plastik-)Version stammt aus dem Jahr 2005. 
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Sonntag, 31. Juli 2016

Euro

Bisher war ich der Ansicht, schwer zu lösen sind nur die wirklich teuren Geduldspiele.  Wer will schon hunderte von Euros ausgeben, nur um nach ein paar Minuten die Einzelteile in der Hand zu halten? Es gibt aber Ausnahmen, wie zum Beispiel Euro, von Jean Claude Constantin. Dieses unscheinbare und billige Drahtpuzzle hat mich monatelang beschäftigt.


Das simple, aus drei Teilen bestehende Gebilde, das ca. zehn € gekostet hatte, machte nicht gerade einen hochwertigen Eindruck. Es war recht wackelig und wirkte wie auf die Schnelle zusammengebogen. Das Auseinandernehmen sollte doch  eine Sache von wenigen Minuten sein. Nach einer Stunde war ich aber keinen Schritt weiter. Es gab kaum Zugmöglichkeiten. Mit etwas Kraftaufwand konnte ich noch ein paar weitere Varianten ausprobieren, aber auch die brachten mich nicht voran.  Tage und Wochen vergingen. Immer wieder nahm ich mir das widerspenstige Objekt vor. Oft wähnte ich mich kurz vor dem Ziel, aber im Grunde genommen drehte ich mich im Kreis.

Nach sieben Monaten war es dann doch geschafft. Wie sah der entscheidende Zug aus? Keine Ahnung. Ich weiß im Nachhinein nur, dass ich die beiden größeren Teile zunächst um 90 Grad gegeneinander verschoben und anschließend mit etwas Gewalt das eine durch das andere hindurchbewegt hatte. Egal, geschafft ist geschafft.


Neugierig geworden schaute ich mir eine Youtube-Lösung an. Die war natürlich völlig anders als meine und sehr viel eleganter.  Ich hatte mich wohl wieder einmal blöd angestellt, oder? Ich betrachtete die Videosequenz etwas genauer. Tatsächlich waren zum Auftrennen nur einige simple Handgriffe erforderlich. Warum hatte das bei mir nicht funktioniert? Irgendetwas blockierte die entscheidende Bewegung. Ich nahm eine Zange zu Hilfe und bog einen der hakenförmigen Enden geringfügig nach oben. Sofort ließ sich Euro leicht auseinandernehmen und wieder zusammensetzen. Vorher war ein außerordentlich hoher Kraftaufwand erforderlich gewesen,  an dem ich letztendlich gescheitert war. Ich spielte noch ein paar Minuten mit dem billigen Drahtgebilde herum und entsorgte es dann in die Mülltonne.