Montag, 10. Oktober 2016

Lunatic Lock

Eines der bekanntesten Trickschlösser ist Lunatic Lock, das fast jeder Online Shop im Angebot hat. Ist für den Verkaufserfolg eines Geduldspiels vielleicht der Name mitverantwortlich?  Ein auffälliger, einprägsamer Name dürfte jedenfalls nicht von Nachteil sein.


Das kleine Metallobjekt machte zunächst keinen sonderlichen Eindruck auf mich. Abgesehen von dem unterhalb des Bügels angebrachten Stiftes wirkte es wie ein normales Vorhängeschloss. Allerdings fehlte das Schlüsselloch und folglich gab es auch keinen Schlüssel. Das einzig bewegliche Teil war jener kleine Stift. Ich konnte ihn ein Stück weit herausziehen und auch drehen.  In manchen Situationen wurden die Bewegungen durch einen internen Mechanismus blockiert.

Aufgrund der nur geringen Anzahl von Bewegungsmöglichkeiten dauerte es nicht lange, bis ich den entscheidenden Trick gefunden hatte und sowohl Bügel als auch Stift abtrennen konnte. Das war wirklich nicht schwer gewesen. Das Zusammensetzen war dann ebenfalls schnell geschafft. Insgesamt habe ich vielleicht zehn Minuten benötigt.


Ich betrachtete mir das geöffnete Schloss genauer. Tief im Inneren war zwischen den Bohrlöchern für Bügel und Stift ein horizontales Querloch gebohrt. Wie wurde das technisch realisiert? Von außen wohl nicht. Ich entdeckte jedenfalls keine Spuren, die auf eine seitliche Bohrung hindeuteten. Und noch ein Rätsel: Ich konnte mir keine einfache Möglichkeit vorstellen, wie der interne Mechanismus eingebracht wurde. Die vorhandenen Löcher erschienen mir dafür viel zu klein. 

Lunatic Lock ist in zwei unterschiedlichen Varianten erhältlich: In der originalen Messingausführung und als Massenprodukt aus Aluminium. Erdacht hat es einer der profiliertesten Geduldspielentwickler, Gary Foshee. Vielleicht ist das ja der Grund für die Popularität des ansonsten recht unspektakulären Trickschlosses und nicht - wie von mir vermutet - der auffällige Name. Ganz oben auf meiner Wunschliste steht übrigens das Transparent Lock (oder auch: Open Lock) vom selben Entwickler. Falls jemand eines zu verkaufen hat oder eine Bezugsquelle kennt, bitte melden.

Samstag, 10. September 2016

Axis

Eine von mir bisher vernachlässigte Unterkategorie von Geduldspielen umfasst die sogenannten Käfig-Puzzles. Dabei handelt es sich um aus Holz oder Metall gefertigte zylinderförmige Behälter, die ein kleines Objekt umschließen.

Käfigpuzzles erschienen mir bisher als zu dünnwandig und blechern. Es sind aber mittlerweile auch massive Objekte erhältlich, wie zum Beispiel Axis von Rademic Puzzles.  Schon beim Auspacken war ich von der schweren Qualität angetan. Ein dickwandiger Zylinder mit fünf ovalen Öffnungen war an seinen beiden Stirnseiten durch Kugellager abgeschlossen. Interessanterweise konnte man die kippen. Das eröffnete zusätzliche Möglichkeiten. Im Innenraum befand sich eine kleine Metallkugel - Igel genannt -, aus der kurze Stäbchen ragten.

Ich brauchte nur wenige Sekunden um herauszufinden, dass der Igel weder durch die Öffnungen im Zylinder noch durch die Kugellager passte. Es musste also einen Trick geben, und den fand ich fast auf Anhieb. Anschließend war noch etwas Fummelarbeit erforderlich und schon war das Puzzle gelöst. Zuerst war ich enttäuscht. Das war etwas zu einfach gewesen. Man konnte hier eigentlich noch nicht einmal von einem Trick sprechen. Egal, Axis hat mir trotzdem gefallen. Vor allem wegen seiner Originalität und Fertigungsqualität. Das war kein Blech- sondern ein wirkliches Metallpuzzle. Da ist auch ein Preis von 35 Euro angemessen. Erhältlich ist es beim Puzzle Shop.


Meines Wissens nach erschienen Käfigpuzzles erstmals in den 1960er Jahren in der damaligen Tschechoslowakei. Und dort befindet sich auch der Hersteller Rademic Puzzles, der weitere Metall- und Holzvarianten anbietet, darunter einige vielversprechende Objekte.



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Sonntag, 28. August 2016

Prezel

Entwickler von Geduldspielen sind oft etwas öffentlichkeitsscheu. Wie zum Beispiel Jean Claude Constantin, von dem im Internet nur herauszufinden ist, dass es sich um einen in Deutschland lebenden Franzosen handelt. Von dem stammt das Metallpuzzle Prezel (auch: Brezel) und zahlreiche weitere im In- und Ausland vertriebene Objekte.


Bei meinem letzten Besuch in Palma fragte ich kurz entschlossen Sven Baeck von Mallorca Puzzles. Der sollte es wissen, schließlich hatte ich Prezel bei ihm vor ein paar Jahren gekauft. "Jean Claude Constantin???" Sven blickte mich verblüfft an und lachte. "Natürlich kenne ich den. Das ist mein Schwager". Tatsächlich vertreibt Mallorca Puzzles vor allem Geduldspiele, die Jean Claude gemeinsam mit Svens Schwester entwickelt und fertigt. Objekte anderer Hersteller werden nur ergänzend angeboten. Also wer mehr von dem in der internationalen Puzzleszene hochangesehenen Entwickler erfahren möchte, sollte sich vertrauensvoll an Mallorca Puzzles wenden.

Zu Prezel, einem schweren, massiven Metallobjekt, ist nicht all zu viel zu sagen. Auffälligstes Merkmal ist die Größe, die deutlich über der anderer Metallpuzzles liegt. Aufgabe ist, das kleinere Teil abzutrennen. Das ist nicht all zu schwierig. Wie üblich benötigte ich eine gewisse Zeit, die korrekte Zugfolge zu ermitteln. Allerdings war einige Male ein kleiner Kraftaufwand erforderlich. Das anschließende Zusammenfügen erwies sich als schwieriger, da es mehrere Einstiegsmöglichkeiten gibt, von denen nur eine zum Ziel führt.


Was mir neben der Übergröße nicht sonderlich gefällt, ist, dass Prezel aus zwei Komponenten zusammengeschweißt ist. Verschweißen, verschrauben oder kleben sollte meiner Meinung nach bei Metallpuzzles der einfachen Kategorie vermieden werden. Zugegebenerweise kann ich das nicht wirklich begründen. Es stört mich einfach.

Freitag, 5. August 2016

Cast Mobius

Von meiner Faszination für Labyrinthe hatte ich ja bereits vor einigen Jahren berichtet. Endlich gibt es auf diesem Gebiet etwas Neues: Cast Mobius vom holländischen Geduldspielentwickler Oskar van Deventer. Genau wie beim Vorläufer Cast Laby handelt es dabei sich um ein beidseitig mit einfachen Labyrinthen versehenes Metallpuzzle aus der Hanayama Serie. Allerdings ist bei dieser Neuentwicklung der flache Ring zu einem sogenannten Möbiusband verdrillt.


Das Puzzle war von solider Qualität und zugleich leichtgängig. Wie erwartet erwies sich das Lösen - das Entfernen der kleinen geschlitzten Scheibe - als einfach. Ein paar Minuten gedankenverlorenen Herumspielens reichten völlig aus. Auch der Rückweg, also das Wiederzusammenfügen, war ähnlich unproblematisch. Als sehr viel schwieriger stellte sich dagegen das systematische Ermitteln und Einprägen des Lösungsweges heraus.


Mathematiker bezeichnen das Möbiusband als "nichtorientierbare Fläche". Laien dagegen bevorzugen die etwas rätselhafte Definition: "Fläche mit nur einer Seite und nur einem Rand".

Ein Pfeil (oder wie hier eine Scheibe mit einem Schlitz), der entlang eines Möbiusbandes bewegt wird, ändert nach einer vollständigen Umdrehung seine Orientierung. Zeigt er beispielsweise zunächst nach außen, so weist er anschließend nach innen. Und genau dieses Verhalten erschwert bei  Cast Mobius ein
der Schlitz weist anfangs nach links
nach einer vollen Umdrehung nach rechts
systematisches Vorgehen. Mal vertauschen sich links und rechts, dann oben und unten oder vorne und hinten. Und schon hat man die Orientierung verloren.  Mit meinem bekannt schwachen Kurzzeitgedächnis brauchte ich jedenfalls ausgesprochen lange, bis ich die Sache im Griff hatte. Hier hat sich also erfreulicherweise eine deutliche Verkomplizierung gegenüber dem klassischen Cast Laby ergeben. Man sollte sich deshalb nicht mit dem simplen Auftrennen begnügen, sondern sich etwas eingehender mit dem Weg entlang der verdrillten Fläche befassen.

Der aus Leipzig stammende August Ferdinand Möbius war übrigens ein bekannter Mathematiker des 19. Jahrhunderts. Er lieferte wichtige Beiträge zur Zahlentheorie (z.B. die Möbius-Funktion) und zur Topologie, der auch das Möbiusband zuzurechnen ist. Ein nahezu identisches Puzzle ist bereits seit einigen Jahren als 3D-Druck-Objekt bei Shapeways erhältlich, allerdings zu einem Preis von weit über 100 Euro. Eine erste (Plastik-)Version stammt aus dem Jahr 2005. 
eigene Bewertung
Amazon Bewertung

Sonntag, 31. Juli 2016

Euro

Bisher war ich der Ansicht, schwer zu lösen sind nur die wirklich teuren Geduldspiele.  Wer will schon hunderte von Euros ausgeben, nur um nach ein paar Minuten die Einzelteile in der Hand zu halten? Es gibt aber Ausnahmen, wie zum Beispiel Euro, von Jean Claude Constantin. Dieses unscheinbare und billige Drahtpuzzle hat mich monatelang beschäftigt.


Das simple, aus drei Teilen bestehende Gebilde, das ca. zehn € gekostet hatte, machte nicht gerade einen hochwertigen Eindruck. Es war recht wackelig und wirkte wie auf die Schnelle zusammengebogen. Das Auseinandernehmen sollte doch  eine Sache von wenigen Minuten sein. Nach einer Stunde war ich aber keinen Schritt weiter. Es gab kaum Zugmöglichkeiten. Mit etwas Kraftaufwand konnte ich noch ein paar weitere Varianten ausprobieren, aber auch die brachten mich nicht voran.  Tage und Wochen vergingen. Immer wieder nahm ich mir das widerspenstige Objekt vor. Oft wähnte ich mich kurz vor dem Ziel, aber im Grunde genommen drehte ich mich im Kreis.

Nach sieben Monaten war es dann doch geschafft. Wie sah der entscheidende Zug aus? Keine Ahnung. Ich weiß im Nachhinein nur, dass ich die beiden größeren Teile zunächst um 90 Grad gegeneinander verschoben und anschließend mit etwas Gewalt das eine durch das andere hindurchbewegt hatte. Egal, geschafft ist geschafft.


Neugierig geworden schaute ich mir eine Youtube-Lösung an. Die war natürlich völlig anders als meine und sehr viel eleganter.  Ich hatte mich wohl wieder einmal blöd angestellt, oder? Ich betrachtete die Videosequenz etwas genauer. Tatsächlich waren zum Auftrennen nur einige simple Handgriffe erforderlich. Warum hatte das bei mir nicht funktioniert? Irgendetwas blockierte die entscheidende Bewegung. Ich nahm eine Zange zu Hilfe und bog einen der hakenförmigen Enden geringfügig nach oben. Sofort ließ sich Euro leicht auseinandernehmen und wieder zusammensetzen. Vorher war ein außerordentlich hoher Kraftaufwand erforderlich gewesen,  an dem ich letztendlich gescheitert war. Ich spielte noch ein paar Minuten mit dem billigen Drahtgebilde herum und entsorgte es dann in die Mülltonne.



Montag, 16. Mai 2016

Tavern Puzzle Painted Lady

Vor einiger Zeit bin ich auf eine vielversprechende Geduldspiel-Serie aufmerksam geworden: Tavern Puzzles. Die Serie besteht aus handgeschmiedeten Drahtobjekten, die historischen Vorbildern nachempfunden sind.


In Deutschland sind Tavern Puzzles nur schwer erhältlich. Lediglich der Versender toys-for-all bietet mit Painted Lady ein einzelnes Objekt der Serie an, das zudem nur einen niedrigen Schwierigkeitsgrad aufweist. Bereits zwei Tage nach meiner Bestellung hielt ich das rustikale Gebilde in Händen. Das war rekordverdächtig. Aufgabe war, den mittleren Ring zu entfernen. Painted Lady kann man zu den Draht Puzzles rechnen, und die neigen manchmal zu Verknotungen. Deshalb war es zunächst nicht ganz einfach, das Gewirr zu durchschauen. Am Ende reichten dann aber zwei einfache Handbewegungen aus.

Größenvergleich mit Streichholzschachtel
Das war keine wirkliche Herausforderung, und auch das Zusammenfügen bereitete keine Probleme. Painted Lady hat schließlich nur den Schwierigkeitdsgrad eins (von vier). Die Handhabung ist auf Grund der Größe der Teile gewöhnungsbedürftig. Die meisten Puzzles der Serie bestehen aus massiven Drähten quadratischen Querschnitts, die über Ringe oder kurze Ketten miteinander verbunden sind.  Für ein entspanntes Puzzeln vor dem Fernseher sind sie wohl weniger geeignet - eher als Icebreaker auf Grillparties oder als dekorativer Wandschmuck in Kellerbars. Wer eine gediegene Qualität zu schätzen weiß, ist mit den handgefertigten Stücken sicherlich gut bedient.

Vor kurzem fand ich noch eine weitere einheimische Bezugsquelle - lustigerweise ein Whisky-Versender. Home of Malts hat eine Reihe von Tavern Puzzles unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade zu Preisen um die 20 Euro im Angebot. Vielleicht versuche ich mich demnächst einmal an einem anspruchsvolleren Exemplar (hier ein Beispiel: Yankee Ingenuity ). Lösungen liegen übrigens nicht bei, können aber per Mail vom Hersteller Tucker-Jones House kostenfrei angefordert werden. 

Sonntag, 1. Mai 2016

Aluminium Burr

Manchmal hängt es von der angewendeten  Strategie ab, ob man ein Geduldspiel schnell, langsam oder auch gar nicht lösen kann. Ein Beispiel hierfür ist das Metallpuzzle Aluminium Burr, das von Wil Strijbos gefertigt wurde.

Die freundliche Verkäuferin von Mallorca Puzzles hatte mir nachdrücklich empfohlen, das Auseinandernehmen mit einer Videokamera aufzuzeichnen. Andernfalls würde ich es nicht mehr zusammenbekommen. Natürlich ignorierte ich als erfahrener Puzzler diesen Hinweis. Das massive Aluminiumobjekt bestand schließlich nur aus sechs Komponenten. Außerdem hatte ich Urlaub und somit jede Menge Zeit.

Zunächst bewunderte ich die sorgfältige Verarbeitung und das fast spielfreie Gleiten der hochpräzise gefertigten Teile. Das Auseinandernehmen war einfach und dauerte nur ein paar Minuten.  Nach zehn Zügen konnte das erste Element entfernt werden, nach weiteren drei Zügen das nächste. Der Rest fiel dann fast von selbst auseinander. Anschließend ging es an das Zusammensetzen.  Doch schnell  wurde mir die Unmöglichkeit meiner Aufgabe bewusst. Die Zahl der zu untersuchenden Varianten war unüberschaubar. Pro Teil gab es entweder zwei oder vier Ausrichtungen. Außerdem genügte  ein einfaches Zusammenstecken nicht. Bereits eingefügte Teile mussten immer wieder verschoben werden, um das Anfügen der letzten beiden Stücke zu ermöglichen. Nach einigen Tagen angestrengter Arbeit gab ich auf.  Was tun? Im Internet fand ich keine verwertbare Lösung. Ohne all zu große Hoffnung durchstöberte ich die einschlägigen Blogs. Vielleicht fand sich ja dort ein Hinweis.  Und ich hatte Glück. Verschiedene Blogger erwähnten, dass Aluminium Burr eine Adaption des aus Holz gefertigten Piston Puzzles ist. Und für das gab es ein Youtube Video, das zumindest das Auseinandernehmen zeigte. Der Rest war dann Routine. Ich folgte dem Video Schritt für Schritt rückwärts und konnte so nach ca. 30 Minuten das Aluminium Burr wieder in seinen Ausgangszustand versetzen.


Der Schwierigkeitsgrad ist damit entweder unmöglich - falls man ohne nachzudenken loslegt - oder einfach - falls man beim Auseinandernehmen jeden Schritt dokumentiert. Beide Varianten sind wohl nicht sonderlich sinnvoll. Eine geeignete Strategie könnte folgendermaßen aussehen:  Man entfernt das erste Teil und legt es ganz nach links, dann das zweite rechts daneben, das dritte rechts neben das zweite usw. Damit hat man zumindest die korrekte Reihenfolge festgehalten. Wer will, kann sich noch die Positionen der letzten zwei oder drei Teile merken. Damit sollte das Puzzle in vertretbarer Zeit lösbar sein. Ich betrachte diese Vorgehensweise nicht als unzulässig, da man ja keine externen Hilfsmittel  verwendet.

Aluminium Burr gehört zu einer Geduldspiel Kategorie, die im Englischen als Burr oder 6-Piece-Burr  bezeichnet wird. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Holzpuzzles, so dass ich hier bisher keine Erfahrung sammeln konnte. Interessant aus meiner Sicht ist, dass Burrs mathematischen Analysen und Algorithmen zugänglich sind.  Ein systematische Vorgehen ist also sehr wohl möglich. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich vermutlich zu früh aufgegeben hatte.