Sonntag, 20. September 2015

Cast News

Es gibt Metallpuzzles, die  man mit verbundenen Augen spielen und lösen kann. Wie zum Beispiel  Cast News von Hanayama. Es gibt keinerlei bewegliche Teile, was es ideal für lange Fernsehabende macht. Vielleicht ist es auch ein geeignetes Geschenk für Sehbehinderte und Blinde.


Der erste Eindruck nach dem Auspacken war ausgesprochen positiv. Ein kleines, kompaktes Objekt, das gut in der Hand liegt. Es besteht aus zwei über Kreuz angeordneten Elementen, die nicht gegeneinander zu bewegen sind. Also muss es einen internen Mechanismus geben, worauf auch ein leises Klappern hindeutet. Im Grunde genommen sind nur drei Bewegungen möglich: Kippen (Ausnutzung der Schwerkraft), Kreiseln (Ausnutzung der Zentrifugalkraft) und ruckartiges Beschleunigen mit anschließendem abrupten Richtungswechsel (Ausnutzung der Massenträgheit). Ohne allzu große Zuversicht legte ich los. Cast News hat immerhin den höchsten Schwierigkeitsgrad. Nach vielleicht einer Stunde war es dann geschafft. Meine Wackelbewegungen hatten unerwartet schnell zum Ziel geführt.
Ich betrachtete einige Amazonrezensionen. Wie lange hatten andere gebraucht? Es gab zwei Gruppen von Rezensenten: Die einen hatten wie ich das Puzzle durch Wackeln oder Schütteln gelöst, die anderen durch Nachdenken. Ich war zugegebenermaßen verblüfft. Wie kann man ein Geduldspiel durch Nachdenken lösen, dessen Mechanismus unsichtbar ist und keinerlei Rückschlüsse auf die erforderliche Zugfolge zulässt? Was allenfalls möglich sein sollte, wäre eine systematische Vorgehensweise. Anschließend schaute ich mir YouTube Lösungen an. Und tatsächlich, hier wurden die korrekten Handgriffe gezeigt, mit denen man Cast News in wenigen Sekunden zuverlässig öffnen konnte. Ich war übrigens nahe drangewesen, hatte die vorgesehene Konstellation aber irgendwie nicht exakt getroffen.


Ich bin allerdings nach wie vor der Ansicht, dass man Cast News allein mit logischen Schlussfolgerungen nicht lösen kann. Denn es gibt eine praktisch unendliche Anzahl von denkbaren internen Mechanismen und keinerlei Möglichkeit, sich schrittweise dem Ziel zu nähern. Wer allerdings die richtige Idee hat, wird mit einem sehr viel intensiveren Erfolgserlebnis belohnt, als die Wackler und Schüttler. Es fällt jetzt natürlich schwer, Cast News zu bewerten. Leider ist es nicht das einzige Hanayama Puzzle, das sich ungewollt einfach lösen lässt. Spontan fällt mir hierzu Cast Helix ein. Natürlich beeinträchtigt ein zu schnelles Ende den Spielspaß. Wenigstens haben meine Amazon Recherchen ein anderes Rätsel geklärt. Wieso heißt das Puzzle Cast News. Tatsächlich bedeutet News hier nicht Nachrichten, sondern ist ein Akronym, das für die vier Himmelsrichtungen North, East, West, South steht.
eigene Bewertung
Amazon Bewertung








Donnerstag, 3. September 2015

Popplock T9

Gibt es eigentlich ein Metallpuzzle, das alle anderen toppt? - Ja, meiner Meinung nach gibt es das: Das Trickschloss Popplock T9. Es ist in praktisch allen Kategorien Spitze: Bei der handwerklichen Qualität, dem Schwierigkeitsgrad (sehr schwer, aber nicht unmöglich), der Raffinesse der Tricks, dem ästhetischen Eindruck.

Rainer Popp , der Entwickler des T9, ließ sich nach eigener Aussage von Robinson Roulette inspirieren. Es handelt sich dabei um ein mittlerweile vergriffenes Solitärspiel, bei dem auf einem drehbaren Ring nach bestimmten Regeln Stifte gesetzt werden müssen. Das Spiel ist beendet, wenn alle Positionen besetzt sind und der einzige weiße Stift das letzte freie Feld belegt. Hmm, wie könnte man so etwas in einem Trickschloss umsetzen? Ich stellte mir vor, dass mit dem beiliegenden Schlüssel ein interner Ring gedreht werden kann und dass auf irgendeine Art und Weise Stifte bewegt werden müssen. Und so ähnlich war es dann auch.

Mit dem beiliegenden Schlüsselrohling konnte ich 360-Grad-Drehungen ausführen. Das funktionierte spielfrei gegen einen leichten Widerstand. Ein Beleg für eine sorgfältige Fertigung. Nur, wie waren jetzt die von mir vermuteten Stifte zu bewegen? An der Vorderseite gab es sechs kreisförmig angeordnete Vertiefungen. Offenbar waren das die Stirnflächen der Stifte. Externe Hilfsmittel wie Zahnstocher oder Ähnliches sind natürlich verboten, und so dauerte es etwas, bis ich den Trick gefunden hatte, mit dem ich sie herunterdrücken konnte.
Ich konnte jetzt in Abhängigkeit von der Schlüsselposition alle Stifte nach unten bewegen. Allerdings federten sie sofort wieder zurück. Es galt also einen zu Weg finden, sie zu arretieren. Nach kurzer Zeit hatte ich herausgefunden, wie. Jetzt musste ich nur noch in der richtigen Reihenfolge alles nach unten befördern. Einer ließ sich allerdings nicht arretieren. Das war offensichtlich das Schlusselement, das dem weißen Stift beim Robinson Roulette entspricht. Nach längerem Herumprobieren und unter Zuhilfenahme von Papier und Bleistift schaffte ich es schließlich, alle Stifte gleichzeitig herunter zu bekommen. Wunderbar - nur ließ sich der Bügel des Schlosses keinen Millimeter bewegen. 

Jetzt steckte ich fest. Was auch immer ich anstellte, es ging nicht voran. Nach endlos langem Herumprobieren fand ich schließlich den Trick, der zugegebenermaßen ausgesprochen link war. Urplötzlich bewegte sich etwas im Inneren. Das kam völlig unvermutet.  Endlich wieder einmal ein Erfolgserlebnis. Sofort ergaben sich neue Angriffspunkte und so dauerte es nicht lange, bis ich eine kleine farbliche Abweichung entdeckte. Es handelte sich um einen weiteren, kaum sichtbaren Stift, den ich etwas herunterdrücken konnte. Das musste es doch jetzt sein! Nein, wieder nichts. Das Schloss ließ sich nach wie vor nicht öffnen.

Erneut steckte ich fest. Dabei musste ich der Lösung ganz nahe sein. Oder war das Puzzle defekt? Ich stöberte in den einschlägigen Blogs nach Hinweisen. Fündig wurde ich bei Kevin, der erwähnte, dass der letzte Schritt komplex ist. Also probierte ich weiter alle nur denkbaren Kombinationen und Varianten aus. Irgendwann machte es dann Klick - und der Bügel sprang hoch.

Geschafft, endlich! Insgesamt hatte ich etwa fünf Stunden verteilt auf fast eine Woche benötigt. Ein schnelleres Vorgehen war nicht möglich, da durch das dauernde Herunterdrücken der Stifte  meine Fingerkuppen stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Das Zurücksetzen des Trickschlosses war dann einfach. Ein simples Drehen des Schlüssels reichte aus, und die Stifte sprangen mit satten Klicks in ihre Ausgangspositionen zurück.

Einen kleinen Kritikpunkt muss ich zum Schluss aber dennoch vorbringen: Der Schlüsselrohling stammt vermutlich aus dem Baumarkt und wirkt vergleichsweise billig und minderwertig. Eigentlich schade angesichts des recht hohen Preises von mehr als 400 Euro für das T9, der aber meiner Meinung nach angemessen ist.